Wann lernen unsere Autos fliegen? DevOps der IT-Booster für die Automobilindustrie

Der diesjährige #MFSummit2017 führte die Teilnehmer an einen ganz besonderen Ort – in die Classic Remise Düsseldorf. Der zwischen 1929 und 1931 erbaute Ringlokschuppen wird heute nach erfolgreicher Restauration als einzigartiges Zentrum für Oldtimer und Liebhaberfahrzeuge genutzt. Die Präsentation historischer und klassischer Fahrzeuge, der offene Blick in die Service- und Restaurationswerkstätten und die „Dauerausstellung“ kostbarer Oldtimer in den gläsernen Einstellboxen in Verbindung mit aufregender anspruchsvoller Architektur aus verschiedenen Epochen sorgte bei den Summit-Teilnehmern nicht nur für leuchtende Augen, sondern lud auch zu einer Zeitreise in die Geschichte des Automobils ein. Die bucklige Isetta, der froschäugige Triumph, der chromüberzuckerte Opel Kapitän, die verwegene Cobra und die ersten Porsche 911 erinnern an Zeiten, in denen Autos so waghalsig waren wie ihre Fahrer. Überflüssig zu sagen, dass bei den alten Schätzchen jedwede, für uns heute selbstverständlichen, Assistenz- und Fahrsicherheitssysteme Fehlanzeige sind. Ein Blick in die Gegenwart macht klar, wie sehr sich vor allem die Automobilindustrie im Zuge der digitalen Transformation verändert: das Auto ist nicht länger mehr – wie zu Oldtimer-Zeiten – nur ein Transportmittel, um von A nach B zu kommen, sondern wird zu einem mobilen Endgerät und Schnittstelle des digitalen Lebens. Sie fügen sich in unseren vernetzten Lebensstil ein, werden zu lernenden Maschinen und versorgen uns zur richtigen Zeit mit den richtigen Informationen und in den nächsten fünf Jahren – wenn man einer soeben veröffentlichten Studie von Frost & Sullivan Glauben schenkt – lernen sie sogar zu fliegen; zumindest als Prototypen. Für die Automobilhersteller bedeutet das alles einen radikalen Schritt der Veränderung. Um mit Google, Apple & Co. mithalten zu können, die heute schon mit IT-Geräten und –Lösungen Marktanteile bei Connected-Car-Anwendungen erobern und in den Wettbewerb um die Zukunft der Mobilität eingetreten sind, muss ein Umdenken erfolgen: weg vom reinen Hardware-orientierten hin zum Software-getriebenen Denken und Agieren.

Stolpersteine bei der digitalen Transformation

Bisher haben sich die Automobilhersteller vor allem als Fertiger von Produkten positioniert und Software primär als Mittel zum Zweck betrachtet. Die Software wird jedoch mehr und mehr zu einem zentralen wettbewerbsdifferenzierenden Produkt. Vermutlich wäre fast jedes Neufahrzeug, das vom Band rollt, bei Ausfall der software-gestützten Systeme nahezu nutzlos. Infotainment & Connectivity sind bereits heute wesentliche Differenzierungsmerkmale und werden auch entsprechende in der Vermarktung in den Mittelpunkt gestellt. Intelligente Fahrerassistenz-Systeme oder Funktionen wie die Last-Mile-Navigation, die die letzten zu Fuß zurückzulegenden Meter zum Ziel automatisch vom Fahrzeug an eine Smartphone App überträgt, oder die automatische Einparkfunktion via Smartwatch-Fernsteuerung führen zu ganz neuen Kundenerlebnissen und wecken neue Bedürfnisse. Damit Automobilhersteller auch bei der Entwicklung neuer Funktionalitäten eine führende Rolle spielen können, ist mehr notwendig als nur die Beherrschung der zugrundeliegenden modernen IT-Technologien. Von zentraler Bedeutung ist die Geschwindigkeit in der Umsetzung neuer Features (time-to-market) sowie die bisherige emotionale Markenbindung auf die neuen digitalen Produkte zu übertragen. Zudem müssen Autos ähnlich wie Handys auch nach der Auslieferung mit neuen Funktionen ausgestattet werden („over-the-air updates“) – das erfordert ganz neue Prozesse. Jahrzehntelang sorgten die weltweit besten Spaltmaße in der Produktion für einen messbaren Produktvorteil, aber das hardwareseitige, hundertprozentige fehlerfreie Funktionieren reicht heute für den Geschäftserfolg alleine nicht mehr aus. Im Zuge der digitalen Transformation müssen Unternehmen zwingend auch die Customer Experience einbeziehen und neue Produkt-Features beispielsweise ad-hoc aus der Nachfrage am Markt ableiten und in einen bereits laufenden Entwicklungsprozess einfließen lassen. Mit umfangreichen Software-Releases, die primär darauf ausgerichtet sind im Rahmen des Produktionsprozesses oder eines Werkstatttermins ausgerollt zu werden – nicht „over-the-air“ und zudem über Monate geplant sind, wie heute in der Automobilbranche noch durchaus üblich, ist diese Flexibilität oftmals nur schwer umsetzbar.

DevOps – IT-Booster der Automobilindustrie

DevOps zielt auf die radikale Verkürzung dieser Zyklen: etwa ein Update jeden Tag. Kommt eine Funktion am Markt nicht an, kann sie so am Folgetag einfach wieder abgeschaltet werden. Umgekehrt lassen sich Produktideen Schritt für Schritt erweitern, wenn sie bei den Anwendern auf Begeisterung stoßen: von der Idee in die Produktion innerhalb von 24 Stunden und dies dann durchaus auch mehrmals täglich. Dass diese kurzen Zyklen möglich sind, zeigen zahlreiche Unternehmen wie zum Beispiel Google, Apple oder Amazon, die es zum Teil sogar auf mehrere Tausend Software-Releases pro Tag bringen, auch wenn diese natürlich andere infrastrukturelle Voraussetzungen haben, als organisch über einen langen Zeitraum gewachsene Unternehmen. Agile Entwicklungs- und Managementmethoden in Kombination mit DevOps geben Automobilunternehmen die notwendige Flexibilität, um schnell auf Veränderungen am Markt zu reagieren, Kundenansprüche zu erfüllen und sich ihre Marktposition zu sichern. Beides im Unternehmen als Standard zu etablieren, wirkt sich positiv auf Wachstum, Kundenzufriedenheit und operative Effizienz aus.

Fazit :

DevOps-Prinzipien und –Praktiken vereinfachen die Zusammenarbeit und die Koordination zwischen den Teams, um die Softwarebereitstellung zu beschleunigen und dabei die Qualität zu verbessern. Mithilfe von DevOps versetzen sich Unternehmen selbst in die Lage, flexibler auf die sich immer schneller verändernden Anforderungen und Rahmenbedingungen im geschäftlichen Umfeld zu reagieren. Eine engere Zusammenarbeit und die konsequente Orientierung an den Anforderungen der Nutzer im Rahmen von DevOps setzen die Digitalisierung von Prozessen und die Prozessautomatisierung voraus. Parallel hierzu müssen die technischen Voraussetzungen für deutlich beschleunigte Test- und Deployment-Zyklen geschaffen werden.

Christoph Stoica
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